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Bewegte Zeiten

Hinweis zu: Die Werkstatt von Carl Benz

Auch wenn das Haus, in dem Carl Benz seine Werkstatt unterhielt, heute nicht mehr steht und durch einen profanen Wohnbau ersetzt wurde, hätte es doch – wenn es noch stünde – eine Menge aus dem Leben des genialen Erfinders zu berichten. So müssen wir uns heute an dieser Stelle einfach in die damalige Zeit zurückversetzen, als alles begann:

1871 lässt sich der studierte Ingenieur (Maschinenbaustudium 1860-1864 in Karlsruhe) Carl Benz in T 6, 11 (heute: T 6, 33) in Mannheim nieder und gründet zusammen mit seinem Partner, dem Mechaniker August Ritter, seine erste Firma »Carl Benz und August Ritter, mechanische Werkstätte«. Am 9. August 1871 kaufen die beiden das 783 m² große Grundstück in T 6, 11 für einen Betrag von 4600 Gulden und lassen darauf ein Werkstattgebäude errichten. Das Gebäude und die Ausstattung mit Werkzeugen und Maschinen kostet die beiden weitere 2000 Gulden. Bei ihrer geringen Eigenkapitaldecke haben sie nun Schulden in Höhe von 5600 Gulden und beginnen mit der Herstellung von Materialien, die am Bau benötigt wurden.

1872 zahlt Carl Benz Benz seinen Partner August Ritter, der sich schon bald als unzuverlässig erwiesen hatte, aus und übernimmt das Grundstück in T 6, 11 sowie das Unternehmen allein. Möglich ist dies allerdings nur dadurch, dass seine zukünftigen Ehefrau Bertha Ringer die er 1870 bei einem Ausflug nach Maulbronn kennengelernt hatte, bei ihrem Vater die vorzeitige Herausgabe ihrer Mitgift sowie eines Teiles ihres Erbes erreicht.

Am 20. Juli 1872 heiraten Carl Benz und Bertha Ringer. Und ab dem 1. August 1872 ist Carl Benz stolzer Alleininhaber des Unternehmens, das er in "Carl Benz T 6, 11, Eisengießerei und mechanische Werkstätte" umbenennt und für das er mit einem weiteren Kredit neue Maschinen und bessere Werkzeuge anschafft. Außerdem werden an das Werkstattgebäude zwei Zimmer und eine Küche als Wohnung für die kleine Familie angebaut, um die Kosten für die bisherige Mietwohnung in U1, 10 zu sparen.

Das Unternehmen entwickelt sich gut, das Sortiment wird auch auf selbst konstruierte Maschinen zur Blechbearbeitung ausgeweitet, die überwiegend auf Baustellen verwendet wurden. Arbeiter werden eingestellt.

1873 freut sich das Ehepaar über die Geburt ihres ersten Sohnes Eugen (01.05.1873). Doch bekommt dieses Glück sehr schnell wieder einen Dämpfer: Denn aufgrund der Wirtschaftskrise, die im Mai 1873 durch den Börsenkrach in Wien ausgelöst wird, setzt eine Rezession in der Bauwirtschaft ein. Die Aufträge bleiben aus und neue Kredite müssen aufgenommen werden.

1874 versucht Carl Benz mit neuen, von ihm erfundenen Produkten die Rezession zu überwinden. Doch leider ist er mit diesen Erfindungen seiner Zeit voraus. Weder die Tabakpresse noch die Fernsprecheinrichtung für Fabriken finden Abnehmer. Besonders schlimm wird es, als ein Gläubiger aus Pforzheim einen Kredit zurückfordert und, als Benz nicht zahlen kann, die Pfändung eines Großteils der Werkstatteinrichtung erwirkt.

Die nächsten Jahre hält sich Carl Benz mit Kleinaufträgen über Wasser und versucht gleichzeitig, ein neues Geschäftskonzept zu finden. Interessant erscheint ihm dabei die Konstruktion von Gasmotoren, die dazu geeignet waren, die in den Fabriken verwendeten Dampfmaschinen abzulösen.

Ein solcher Motor war 1877 in Deutz von August Otto als Viertakter entwickelt und patentrechtlich geschützt worden. Daher verlegte sich Benz auf den Bau eines Zweitaktmotors, dessen Prinzip zwar ebenfalls von August Otto entwickelt worden war, das aber nicht patentrechtlich geschützt war.

1879 Nach vielen Konstruktionszeichnungen, Modellen und Versuchen läuft der neue Zweitaktmotor in der Sylvesternacht des Jahres 1879 erstmals zuverlässig.

1880 Anlässlich eines Auftrages zur Herstellung von Photoplatten lernt Carl Benz den Mannheimer Hofphotografen Emil Bühler kennen und begeistert ihn von seinem neuen Motor. Emil Bühler unterstützt Carl Benz finanziell, so dass dieser sich vollständig um die Weiterentwicklung des Zweitaktmotors kümmern kann.

1881 Carl Benz beginnt mit der Produktion seines stationären Zweitaktmotors, der über die städtische Gasversorgung mit Leuchtgas versorgt wird. Benz ändert die Firmenbezeichnung in »Mannheimer Gasmotorenfabrik« und stellt 6 Arbeiter ein. Der Motor wird von den Fabriken gut aufgenommen. Jedoch verschlingt die Weiterentwicklung so viel Zeit, dass Benz keine Zeit hat, sich um den Vertrieb zu kümmern. Entsprechend bleibt der Absatz hinter den Erwartungen zurück und die Schulden steigen.

1882 Um neues Kapital zu mobilisieren, wird am 01.03.1882 eine Aktiengesellschaft gegründet, in die Benz seine Firma mit allen bisherigen Konstruktionen und Patenten einbringt. Neun Mannheimer Bürger, darunter Emil Bühler und dessen Bruder, bringen ein Eigenkapital von 100.000 Mark auf. Die Produktion wird in die Schwetzinger Gärten verlegt und die bisherige Werkstatt in T6, 11 an einen Eisengießer verpachtet. Nur die Wohnung wird von Carl und Berta Benz und ihren inzwischen vier Kindern weiter bewohnt.

Zu spät merkt Benz, dass ihm an der »Mannheimer Gasmotorenfabrik AG« nur 5 % gehören. Zwar ist er »Direktor« der neuen AG, doch untersagt ihm eine Klausel im Gesellschaftsvertrag die Mitwirkung bei künftigen Produktkonstruktionen. Für seine Visionen zur Weiterentwicklung des Motors und seine Spinnerei von einem motorgetriebenen Fahrzeug haben die Mitaktionäre kein Verständnis.

1883 Enttäuscht scheidet Carl Benz aus der »Mannheimer Gasmotorenfabrik AG« aus. Er baut einen Schuppen an seine ehemalige Werkstatt an und schlägt sich wieder mit Kleinaufträgen durch. Beim Kauf eines Velozipeds lernt er die Unternehmer Rose und Esslinger kennen, die mit ihm zusammen am 01.10.1883 die »Benz & Cie. Rheinische Gasmotoren-Fabrik« gründeten.

Bereits im Herbst 1883 bietet die neue Gesellschaft einen neuen, verbesserten Gasmotor »System Benz« an, bei dem die bisher übliche Flammenrohrzündung durch eine elektrische Zündung ersetzt wurde.

1884 Der Absatz der Motoren, die es in vier Stärken zwischen 1 und 6 PS gibt (später kommen noch Varianten mit 8 und 10 PS hinzu), läuft so gut, dass Benz endlich die Zeit findet, sich seinem Traum, der Entwicklung eines Motorwagens, zu widmen. Da er erkannte, dass sich der Zweitakter für den Betrieb eines Fahrzeugs nicht geeignet war (er wäre bei der benötigten Leistung zu groß gewesen), entwickelt Benz einen neuen Motor nach dem Viertaktprinzip, den er mit einem Ligroin-Vergaser ausstattet. Diese bahnbrechende Erfindung ermöglichte erstmals den mobilen Betrieb des Motors, der nun nicht mehr auf einen stationären Anschluss von Leuchtgas angewiesen ist, sondern mit flüssigem Ligroin (So wurde das Benzin damals genannt) betrieben werden kann.

1885 Nachdem Carl Benz auch eine Wasserkühlung für den Motor, das Fahrgestell, die Kraftübertragung auf die Räder, ein Differenzialgetriebe, die Bremsen und die Lenkung entwickelt hat, können im Frühjahr die ersten Probefahrten unternommen werden. Der Motorwagen wird kontinuierlich weiter verbessert und am Ende des Jahres wird die Patentanmeldung eingereicht.

1886 Am 29.01.1886 erteilt das Kaiserlich Patentamt Carl Benz unter der Nummer DRP 37435 den patentrechtlichen Schutz seines Motorwagens. Gerade rechtzeitig für Benz wurden in diesem Monat nach einem langen Patentrechtstreit zwischen der Deutz AG (deren Direktor Otto war) und anderen Konstrukteuren, die diese Erfindung für sich beanspruchten, die Ottoschen Patente am Viertaktmotor für nichtig erklärt, so dass der Viertaktmotor nun auch für die Verwendung durch Carl Benz frei ist.

Im April erwirbt die »Benz & Cie. Rheinische Gasmotoren-Fabrik« ein neues Betriebsgelände bei den Spelzengärten (heute: Waldhofstraße), wo eine neue Fabrik errichtet wird, um die steigende Nachfrage nach den stationären Gasmotoren befriedigen zu können. Es wird auch eine Abteilung für die Produktion der Motorwagen eingeplant.

1887 Der Umzug in die Walshofstraße 24 ist abgeschlossen. Auch die Familie Benz findet ihr neues Zuhause auf dem neuen Werksgelände.

1888 Trotz aller Bemühungen finden sich noch immer keine Käufer für den Benz Patent Motorwagen. Bertha Benz unternimmt ihre legendäre Fahrt von Mannheim nach Pforzheim, an die heute die Bertha Benz Memorial Route erinnert. Auf der Arbeitsmaschinenausstellung in München erregt der Benz Patent Motorwagen großes Aufsehen und wird mit der goldenen Ehrenmedaille ausgezeichnet. Der erste Wagen wird nach Paris verkauft.

1890 Da der Verkauf des Motorwagens nicht vorangeht, wollten die Gesellschafter Rose und Esslinger diese Produktlinie nicht weiterverfolgen und ziehen sich aus der Gesellschaft zurück. An ihrer Stelle treten die neuen Gesellschafter Friedrich von Fischer und Julius Ganß ein, die von der Idee des Motorwagens begeistert sind und an dessen Erfolg glauben. Mit ihrer Auslandserfahrung kurbeln Sie den Absatz der Motorwagen an, so dass eine kleine Serienproduktion aufgenommen werden kann. Allerdings werden die Fahrzeuge fast ausschließlich ins Ausland verkauft.

1893 Endlich gelingt Benz die Konstruktion einer lenkbaren Vorderachse, die nun den Bau des vierrädrigen Modells »Victoria« ermöglicht, das von nun an angeboten wird. Von der dreirädrigen Variante wurden in den letzten drei Jahren wahrscheinlich 24 Fahrzeuge abgesetzt.

1894 Auf Drängen seiner Mitgesellschafter konstruiert Carl Benz das Modell »Velo«, eine kleinere und billigere Ausführung seines Motorwagens, das in den folgenden Jahren über 1200 Mal verkauft wird.

1897 Der »Velo« erhält eine elegantere Karosserie und wird als »Velo-Comfortable« angeboten. In den folgenden Jahren erscheinen die neuen Modelle »Ideal« (1898), »Dos a Dos« (1899), »Mylord« (1899), »Spider« (1900) »Tonneau« (1900). Die Fahrzeuge werden immer komfortabler und die Motoren stärker. Ab 1897 gibt es auch einen dritten Vorwärtsgang und einen Rückwärtsgang.

1899 Im Mai wird die »Benz & Cie., Rheinische Gasmotoren-Fabrik in Mannheim«, in eine Aktiengesellschaft, die »Benz & Cie. AG« umgewandelt. Carl Benz wird einer der beiden Direktoren.

1900 Der Mitarbeiterstamm der »Benz & Cie. AG« ist auf 400 Mitarbeiter angewachsen. Mit insgesamt 2312 hergestellten Motorwagen ist die »Benz & Cie AG« weltweit der größte Hersteller von Automobilen.

Doch dann bricht der Absatz der Motorwagen dramatisch ein. Grund dafür ist unter anderem die Vorstellung des Modells »Mercedes« der »Daimler-Motoren-Gesellschaft», das mit modernerer Technik aufwarten kann als die Benz-Karossen.

Bei den Gesellschaftern der »Benz & Cie. AG« bricht ein Streit aus, wie die Krise zu bewältigen sei: Während Fischer und Ganß technische Neuerungen fordern und leistungsstärkere, schnellere Fahrzeug bauen wollen, um den Anforderungen des Marktes nachzukommen, hält Benz an seiner bisherigen Modellstrategie fest. Er will zuverlässige und komfortable Gebrauchswagen bauen und lehnt Geschwindigkeitssteigerungen und daher auch die Teilnahme am Motorsport ab.

1903 Der Streit zwischen den Gesellschaftern eskaliert und Carl Benz scheidet aus dem Unternehmen aus, um in Ladenburg mit seinen Söhnen eine neue Automobilfabrik aufzubauen.

1904 Carl Benz wird in den Aufsichtsrat der »Benz & Cie. AG« berufen. Trotzdem verfolgt er seine Pläne für eine neue Fabrik in Ladenburg weiter.

1905 Die Familie Benz erwirbt das »Carl Benz Haus« in Ladenburg und zieht dorthin um.

1906 Zusammen mit seinen Söhnen gründet Carl Benz das Unternehmen »Carl Benz Söhne«, das ab 1908 in der neuen Fabrik in Ladenburg die Automobilproduktion der »Serie B« aufnimmt. Heute befindet sich in dort das Automuseum Dr. Carl Benz.

1926 Am 4. April 1929 stirbt Carl Benz im Alter von 84 Jahren in Ladenburg an den Folgen einer Bronchienentzündung und wird in Ladenburg beigesetzt.

Wer noch mehr wissen möchte über das Leben und Wirken von Carl Benz, dem sei das Buch von Winfried A. Seidel »Tatort Mannheim. Wie das Automobil entstand« (Verein der Freunde des Stadtarchivs 2011) empfohlen, aus dem ich viele Fakten entnommen habe. Es zeichnet das Leben und Werk von Carl Benz in plastischen Farben nach und geht auch intensiv auf die technischen Details seiner Erfindungen ein.

smitty

Nützliche Hinweise zu Die Werkstatt von Carl Benz

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