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GABEN DER LANDSCHAFT – DAS LEUTASCH (1.Teil)

das Leutaschtal

Ein strahlender Morgen, mit einem wolkenfreien, blassblauen Himmel. Über den Gebirgskamm, dessen höchster Gipfel Große Arnspitze heißt, schiebt sich langsam die Sonne hervor, verscheucht die letzten Nebelfetzen und verwandelt das ganze Hochtal in eine funkelnde, weiße Zauberwelt. Die Loipen für die Schilangläufer sind um diese Zeit noch gefroren, und das Eis reflektiert das einfallende Sonnenlicht derart, dass die streng parallel laufenden Spuren wie mit starkem Neonlicht beleuchtete Straßen wirken, die in der weiten Schneefläche verschwinden. Es ist die stillste Zeit des Tages, nur einige wenige Läufer sind schon unterwegs – im Leutaschtal.

das Leutasch


Leutascher Schanz und Porta Claudia

Immer, wenn Krieg war, rückte das abgelegene Tal in den Mittelpunkt des politischen Interesses. Das war schon Anfang des 17. Jahrhunderts so, im 30-jährigen Krieg, als die Landesfürstin von Tirol, Claudia de Medici, die Porta Claudia bauen ließ. Die Befestigung war als Schutz gegen die Schweden gedacht und wurde am Scharnitzpass errichtet. Sie schützte die Tiroler Grenze jedoch nur teilweise. Es gab in der Gegend noch ein Einfallstor nach Tirol: von Mittenwald durch das Tal der Leutascher Ache. Und deshalb sicherten die Erbauer der Scharnitzer Befestigung diesen Zugang ebenfalls durch den Bau einer Bastion: der Leutascher Schanz.

Wettersteingebirge

Doch mit einiger Ortskenntnis konnte auch diese Feste umgangen werden. Von Mittenwald führt ein Weg zum Lauter- und Ferchensee, von dort über einen Sattel zwischen Grünkopf und Unterer Wettersteinspitze ins Leutaschtal hinüber. Der Steig ist heute ein beliebter Wanderweg und heißt Franzosensteig.

Die Franzosen waren immer entweder direkt oder zumindestens indirekt beteiligt, wenn der Steig in Kriegszeiten als Marschweg für Truppen benutzt wurde.

Etwa im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714), bei dem es um die Nachfolge des letzten spanischen Habsburgers Karl II. ging. Die spanische Königswürde beanspruchten die österreichischen Habsburger, die Bourbonen aus Frankreich und die Wittelsbacher aus Bayern. Es war ein Europäischer Krieg, an dem sich auch die Seemächte England und Vereinigte Niederlande beteiligten – es war für die damalge Zeit ein Weltkrieg.

In Bayern regierte in jenen Tagen Herzog von
Ober-Niederbayern und Oberpfalz Kurfürst Max II Emanuel (1662–1726). Er war mit den Franzosen verbündet und versuchte mit deren Hilfe Tirol zu annektieren.

Und dabei spielten die Festungen Porta Claudia und Leutascher Schanz eine wichtige Rolle.

Im Juni 1703 eroberten die Bayern gemeinsam mit den Franzosen Innsbruck und konnten daher vom Inntal aus beide Festen an ihrer Rückseite angreifen und einnehmen. Die bayrisch-französischen Streitkräfte wurden jedoch im Inntal vom Tiroler Landsturm vernichtend geschlagen, sodass sie das Land räumen mussten,im Juli 1703 war Tirol wieder frei. Die Porta Claudia und die Leutascher Schanz eroberten die Tiroler dann im August 1703. Herzog Max II musste sich nach Mittenwald zurückziehen.

Doch er versuchte es nochmals.

Unter Führung ortskundiger Jäger konnte er mit seinen Kriegern die Befestigungen umgehen und wieder erobern – und dieser Zug über das Wetterstein war mit großer Sicherheit die Einweihung des Steiges über den Sattel westlich des Grünbergs als militärischer Aufmarschweg von Bayern nach Tirol.

Max II. konnte sich seines Triumphs allerdings nicht lange freuen. Als der österreichische General Herster mit starken Truppenverbänden anrückte, musste er sich nach Bayern zurückziehen. Seine Liaison mit den Franzosen und sein Bestreben Bayern zu einem Königreich zu machen bescherte ihm auch Krieg mit dem Deutschen Reich. Max’s Widersacher, der Habsburger Leopold I.(1658–1705), war immerhin Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. In der Entscheidungsschlacht bei Höchstädt 1704 hatte der Bayernherzog das Pech, den beiden brillantesten Feldherrn der damaligen Zeit gegenüber zu stehen: Den englischen Teil der verbündeten Armee befehligte John Churchill, 1.Duke of Marlborough (1650–1722), den kaiserlichen Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736). Franzosen und Bayern verloren den Kampf, Max wurde vom Kaiser mit der Reichsacht belegt und musste ins Exil gehen; erst nach Beendigung des Erbfolgekriegs konnte er wieder zurückkehren.

Der Krieg um Tirol ging als „Boarischer Rummel“ in die Geschichtsbücher ein.

das Leutaschtal

Marschall Michel Ney, der Vertraute Napoleons

Der nächste Kampf um die Porta Claudia und die Leutascher Schanz zwischen Bayern und Tirol fand etwa 100 Jahre später statt und endete für die Tiroler verheerend. Der übermächtige Gegner war niemand Geringerer als Napoleon Bonaparte, und Bayern stand auf seiner Seite.

1805 belagerte der französische Marschall Michel Ney, einer der engsten Vertrauten Napoleons, die Pässe Scharnitz und Leutasch. Das französische VI. Armeekorps war an die 9.000 Mann stark, ihnen standen nur etwa 2.200 Tiroler entgegen.

Die Franzosen, geführt von wegekundigen Mittenwaldnern, benutzen den Übergang am Grünkopf und stürmten am 4.November 1805 die Leutascher Schanz, marschierten über Seefeld nach Scharnitz, griffen die Porta Claudia von zwei Seiten an und eroberten sie.

Ney ließ beide Festungen schleifen, und im Friedensschluss von Pressburg am 26.Dezember 1805 zwischen Frankreich und Österreich wurde Tirol an Bayern angegliedert. Es wurde zwar ein Friedensvertrag unterschrieben, doch der Krieg gegen Napoleon sollte noch weitere 10 Jahre dauern. Tirol war zwar dabei nur ein Nebenkriegsschauplatz, aber nichtsdestotrotz Ort verbissener Kämpfe, die in den
Berg-Isel-Gefechten ihren Höhepunkt hatten. Der Sandwirt aus dem südtiroler Passeier Andreas Hofer wurde dabei zum Tiroler Nationalhelden.

Erst 1815, durch den Wiener Kongress, kam Tirol wieder zu Österreich zurück.

Übrigens Marschall Michel Ney blieb bis zuletzt ein treuer Gefährte Napoleons. 1815, in der Schicksalsschlacht bei Waterloo, befehligte er zwei Korps. Er weigerte sich auch nach der endgültigen Niederlage Napoleons aus Frankreich zu fliehen und wurde im Dezember 1815 wegen Hochverrats erschossen.

Soviel zur Rolle der Leutascher Schanz am Rande der Weltgeschichte in der damaligen Zeit.

das Leutasch

Das Leutasch

Heute steht das Leutaschtal nicht wegen Kriegen im Blickfeld, sondern wegen seiner einmaligen Lage und Landschaft.

Wenn man vom Leutaschtal spricht, dann sagt man „das“ Leutasch und meint damit das Tal. Einen Ort dieses Namens gibt es nicht, sondern die Gesamtgemeinde mit den 26 Weilern heißt so.

Durch das breite, ebene Hochtal, es liegt an die 1.200 Meter über dem Meerespiegel, fließt die Leutascher Ache, die etwa 5 Kilometer östlich von Ehrwald entspringt und in Mittenwald in die Isar mündet. Das Tal ist in
Ost-Westrichtung ungefähr 16 Kilometer lang und von imponierenden Bergen eingeschlossen: im Norden vom südlichen Kamm des Wettersteingebirges, mit eindrucksvollen Gipfeln, wie der Dreitorspitze (2.633 Meter), dem Hochwanner (2.744 Meter) und im Süden von der Mieminger Kette, mit dem imposanten Gipfel der Hohen Munde (2.662 Meter). So schützt das Wettersteingebirge das Tal vor Kälte aus Norden, die Mieminger Kette vor Föhn aus Süden, die offene Westseite läßt die Schneewolken passieren, sodass die Landschaft im Winter von einer dicken Schneedecke eingehüllt ist.

Womit wir beim Thema sind.

Langlaufloipen

Spuren im Schnee

Das Leutasch besteht aus 26 Weilern und einer Unzahl Schispuren, die kreuz und quer über die weite Ebene führen. Bald merkt der Neuling, dass all die Spuren Teil eines 110 Kilometer langen Loipennetzes sind, immer 3 Bahnen nebeneinander: die rechte für die gemütlichen Schilangläufer, links daneben für die Schnellen und auf der linken Seite, da gibt es keine Spuren, die ist für die Superschnellen, für die Skater.

Es gibt blaue, rote und schwarze Strecken. Die blauen, da liegen Hütten und Wirtshäuser, sind für die Genießer gedacht; auf den roten erlebt man, dass man mit Langlaufschiern auch hinunterfahren kann, zwar nicht immer sturzfrei, aber doch; die schwarzen Spuren führen manchmal direkt ins Verderben.

das Leutasch

Im Leutaschtal könnte man auf Schiern endlos im Kreis laufen. Am Nordrand des Tals läuft die dreispurige Schilanglaufbahn von Ost nach West und an der Südbegrenzung in die umgekehrte Richtung. So an die 40 Kilometer lang wäre so eine Runde.

Gemütlicher ist es allerdings, wenn man sich dafür 2 Tage Zeit nimmt.

Kirchplatzl

Vom Weiler Lehner nach Westen

Vom Ortsteil Lehner, der annähernd in der Mitte des Tales liegt, läßt sich das gut machen. An einem Tag die Westroute mit den vielen Hütten, die als unüberwindliches Hindernis im Weg stehen, und an denen die Loipen nicht vorbeiführen, sondern die Schispuren leiten zwanghaft zu einem der Tische, die um die Hütte herum einladend aufgestellt sind.

Aumoosalm

Da zwingt die Aumoosalm beim Weiler Aue den Läufer nachdrücklich zu einer Rast – wer kann schon diesen Grammelschmalzbroten widerstehen? Nicht weit entfernt: Huberts Stüberl. Auch nicht zu verachten!

Auf der Westroute bewegt sich der Läufer in einem weitläufigen Tal. Im Ortsteil Kirchplatzl steht die barocke Pfarrkirche zur Hl. Magdalena. Etwa 1.600 Meter höher als der Standort der Kirche ragt etwas im Hintergund der imposanteste Gipfel der Mieminger Kette auf: die Hohe Munde. Der Berg markiert auch den Anfang des Gaistals, durch das eine Forststraße hinüber nach Ehrwald führt.

Unterleutasch

Bis zur Schanz

Nach Osten verengt sich das Leutaschtal, sodass die beiden Loipen – eine nach Ost, die andere nach West – über längere Strecken nahe nebeneinander verlaufen.

Unterleutasch

Beim Weiler Burggraben beginnt die Loipe „Bärnwirt“, die den Läufer zum Talende nach Schanz leitet. Von dort führt eine kurvige Straße hinunter nach Mittenwald, und beim heutigen Ortsteil Schanz befand sich auch der Verteidigungswall: die Leutascher Schanz. Bis zum Weiler Burggraben zurück sind es nur etwa 1½ Kilometer; hier beginnt der Franzosensteig, der Anfang des 19. und 18.Jahrhunderts für die Tiroler Verteidiger eine so verhängnisvolle Rolle spielte.

Heute sitzt man an sonnigen Wintertagen auf der Terasse des Gasthaus’„Zur Mühle“. Dort ist auch die Wende der Loipe „Unterleutasch“, welche die Schilangläufer nach der Rast wieder zurück nach Lehner führt.

Unterleutasch

Franz Haslinger
Leutasch, im März 2012

©haslinger.franz@yahoo.de

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