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Eine Reise zu den Stationen des historischen Romanes "Die brennenden Lettern" von Claudia Schmid

Eine Reise auf den Spuren der Reformation in Süddeutschland – von Heidelberg nach Isny

die Nicolaikirche in IsnyIn Isny, der ehemals Freien Reichsstadt im Allgäu, befindet sich ein Kleinod für Buchliebhaber. Im Turm der Nikolaikirche ist die Prädikantenbibliothek Prädikantenbibliothek untergebracht, seit ihrer Entstehung unverändert. Im 15. Jahrhundert wurde sie von reichen Isnyer Bürgern gestiftet, damit die Prädikanten, die zusätzlich zum Pfarrer predigten, sich auf ihre Predigten vorbereiten konnten. In dem kleinen Raum scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Immer mittwochs ist die Prädikantenbibliothek im Rahmen einer Führung zu besichtigen! Dies lohnt sich wirklich sehr. Man geht durch die schmale Eisentür im Chorraum der Nikolaikirche und steigt die sehr hohen Stufen hoch. Doch für die Mühe gibt es ein wunderbares Erlebnis für Buchliebhaber. Ein Raum, der all die Jahrhunderte unverändert überstanden hat, tut sich vor einem auf. Sogar derselbe Teppich liegt noch immer auf dem Tisch, auf dem die Bücher im Sinne des Wortes „aufgeschlagen“ wurden. Schlägt man mit der Faust auf eines der Bücher, springen die Spangen auf und das Buch ist offen. Mit etwas Fantasie kann man sich vorstellen, dass der Gelehrte Paul Fagius an dem Tisch, auf dem noch immer derselbe Teppich liegt wie damals, steht. Einige seiner Drucke werden hier aufbewahrt. Doch wer war Paul Fagius?

Im Jahre 1504 wurde er unter dem Namen Paul Büchlin in Rheinzabern, heute Rheinland-Pfalz, geboren. Leider ist nicht mehr nachvollziehbar, welches nun genau das Geburtshaus des Paul Fagius war. Zu seiner Erinnerung trägt das Gemeindehaus der evangelischen Kirche in Rheinzabern seinen Namen. Rheinzabern ist ein reizender Ort, es liegt in etwa zwischen Landau und Karlsruhe. Es stehen noch viele alte Fachwerkhäuser. Das Terra Silligata-Museum lädt zum Besuch ein und erzählt dabei von der römischen Zeit in der Pfalz.

Rheinzabern

Foto: Rheinzabern, die Geburtsstadt des Paul Fagius. In der Hauptstraße stehen viele schmucke Fachwerkhäuser.

Mit nur elf Jahren kam Paul in die Heimatstadt seiner Mutter, Heidelberg . Dort war er 1518 bei der sog. Heidelberger Disputation mit Martin Luther anwesend. Auch Martin Bucer war dabei. Viele der Anwesenden nahmen die Flamme der Reformation in sich auf und trugen sie ihr Leben lang weiter, diese Männer trugen wesentlich zur Verbreitung der Reformation in Süddeutschland bei. Unterstützung fanden die meisten durch ihre Ehefrauen, die den Lebensweg ihrer Männer tatkräftig begleiteten.
Auf dem Universitätsplatz ist eine Plakette im Boden eingelassen. Sie erinnert an die Heidelberger Disputation. Sie müssen etwas nach der Plakette suchen, sie ist in der Nähe der Telefonzelle. Wenn man Pech hat, parkt womöglich grade ein Auto darauf. Plakette zur Erinnerung an die Heidelberger Disputation

Vier Jahre später zog Paul Fagius nach Straßburg, damals Freie Reichsstadt und eine Hochburg der Reformation. Von Straßburg, wo ich zwei Mal war, habe ich ungeschickter Weise kein digitales Foto gemacht. Vielleicht stellt mir jemand eines zur Verfügung?

Martin Bucher wirkte in Straßburg als Pfarrer. Paul Fagius lernte Hebräisch bei Wolfgang Capito. Nach Beendigung seiner Studien wäre Paul Fagius gerne nach Heidelberg zurück gekehrt, um dort einen Lehrstuhl zu übernehmen. Die Familie seiner Mutter hätte dies bestimmt gerne gesehen. Auch war es nicht weit nach Rheinzabern, wo seine Eltern lebten. Aber die katholischen Professoren der Universität Heidelberg verhinderten seine Berufung.

Das Reisen muss man sich im 16. Jahrhundert etwas beschwerlicher vorstellen als heute. Man reiste zu Fuß, mit einem Ochsenkarren oder wenn man reich war, zu Pferde. Manche Gelehrte bekamen von reichen Gönnern ein Pferd zur Verfügung gestellt. Kutschenlinien wie etwa die von Thurn und Taxis wurden erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts eingerichtet. Hierbei gab es feste Zustiegsstationen, so in etwa wie heute bei einer Buslinie.

Als Paul Fagius die Leitung der Lateinschule in Isny, die mit der Predigerstelle in der Nikolaikirche verbunden war, angeboten wurde, nahm er dies an. Er zog nach Isny und heiratete bald die Isnyerin Agnes Buchbaum. Der begnadete Pädagoge wurde rasch beliebt in der Freien Reichsstadt Isny. Er unterzeichnete 1531 den „Schmalkaldischen Bund“ für Isny. Auch Martin Bucer gehörte zu den Unterzeichnenden. Großes Ansehen erwarb sich Paul Fagius in der Gemeinde, als er sich weigerte, während der Pest die Stadt zu verlassen und in seiner Gemeinde zu bleiben.

Das ehemalige Pfarrhaus, in dem Paul Fagius in Isny lebte, steht immer noch. Es befindet sich in der Espantorstraße und beherbergt eine Galerie. Die erste hebräische Druckerei im deutschen Sprachraum war im Schuppen des Pfarrhauses untergebracht. Leider existiert der Druckstock nicht mehr. Teile der alten Stadtbefestigung sind in Isny noch erhalten. Wenn Sie die Stadt durch das Espantor betreten, haben Sie nur noch wenige Schritte bis zum ehemaligen Pfarrhaus rechter Hand.
Das alte Pfarrhaus in Isny

Foto: das ehemalige Pfarrhaus in Isny in der Espantorstraße.

Weiter geht’s die Espantorstraße hinaus, an einem der schönsten Innenhofe Isnys vorbei bis zum heutigen Rathaus an der linken Ecke, dem ehemaligen Albrecht’schen Haus. Der Kaufmann Albrecht ließ das reiche Bürgerhaus errichten. Wir halten uns nach links, längs der Wassertorstraße, die natürlich zum Wassertor führt. Das Wassertor führte in die Vorstadt. Rechts neben dem Wassertor, noch innerhalb der Stadtmauern, steht die Nikolaikirche in unmittelbarer Nachbarschaft zum ehemaligen Kloster St. Georg. Heute heißt das frühere Kloster „Schloss Isny“ und beherbergt die „Kunsthalle“. Sehenswerte Ausstellungen werden hier gezeigt.
Im hoch aufragenden Turm der Nikolaikirche befindet sich die Prädikantenbibliothek. Wie durch ein Wunder blieb der Turm beim verheerenden Stadtbrand in Isny im Jahre 1631 unversehrt und die wunderbare Bibliothek wurde der Nachwelt erhalten. Der Stadtbrand riss damals große Wunden in die Stadt.

Für kurze Zeit kehrte Paul Fagius nach Straßburg zurück und folgte dem Wunsch der Isnyer, sich zum Pfarrer ausbilden zu lassen. Ab 1538 war er dann Pfarrer in Isny. Paul Fagius hegte einen sehnlichen Wunsch. Die Reformatoren wollten die Heilige Schrift in der Originalsprache lesen können, um Fehler und Abweichungen in den ihnen zur Verfügung stehenden Übersetzungen auszumerzen. Hebräisch war die Sprache des Alten Testaments. Und damit seine Studenten die Sprache besser lernten, wollte er ihnen ein Wörterbuch zur Verfügung stellen.

Impression in VenedigIm Isnyer Kaufmann Peter Buffler fand er einen Gönner, der ihm eine Druckerpresse finanzierte. Aus Venedig kam der beinahe siebzigjährige jüdische Gelehrte Elias Levitha zu Fuß über die Alpen, um gemeinsam mit dem Christen Paul Fagius an dem Wörterbuch „Tischbi“ zu arbeiten. 712 hebräische, chaldäische, griechische und lateinische Vokabeln sind darin erläutert. In einem „Schopf“ im Hof des Pfarrhauses stand die Druckerpresse. Paul Fagius richtete die erste hebräische Druckerei im deutschen Sprachraum ein. Ungefähr zwanzig Bücher entstanden in der kulturgeschichtlich bedeutsamen Zusammenarbeit der beiden Gelehrten. Mehr dazu erfahren Sie während der aufschlussreichen, hoch interessanten Führung in der Prädikantenbibliothek in Isny.

Elias Levitha bekam das kalte Klima im Allgäu nicht, nach knapp zwei Jahren gemeinsamer fruchtbarer Arbeit ging er wieder ins warme Venedig.

Aus einem Grund, der heute nicht mehr bekannt ist, verließ Paul Fagius mit seiner Familie Isny im Jahre 1543. Nach einem kurzen Aufenthalt in Konstanz ließ er sich in Straßburg nieder und trat dort eine Professur für Altes Testament an. Auch Martin Bucer war Professor in Straßburg.

Blick aufs Heidelberger SchlossKurfürst Friedrich II wollte in Heidelberg die universitäre Ausbildung reformieren. Paul Fagius folgte 1545 einer Einladung an seinen Hof. Nach seinen Lehrplänen wurde das Pädagogium in Heidelberg gegründet, aus dem das heutige Kurpfalz-Gymnasium hervorging. Nach diesen Lehrplänen des Paul Fagius wurde sehr lange an humanistischen Gymnasien unterrichtet.

Der Wind der Gegenreformation blies kräftig durch deutsche Lande, die beiden Freunde wurden ihres Amtes enthoben und mussten Straßburg verlassen. Ohne ihre Familien, die bald nachkommen sollten, reisten sie nach Cambridge, wo man ihnen Lehrstühle angeboten hatte. Nach nur wenigen Wochen verstarb Paul Fagius an einem Fieber, sein Freund Martin Bucer folgte ihm wenige Monate danach.

Nachdem zu Zeiten der Gegenreformation die Gebeine der beiden Reformatoren ausgegraben und verbrannt wurden, kam es nur wenige Jahre danach zu einer Rehabilitierung und es wurden Gedenktafeln zur Erinnerung an ihr Wirken angebracht.

Inschrift zur Erinnerung an Martin Bucer in CambridgeDie Plakette zur Erinnerung an Martin Bucer wurde von Julia Reinert und Heather Berry gesucht, gefunden und fotografiert und für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank an die beiden Studentinnen, die sich im Herbst 2010 in Cambridge auf die Suche nach Spuren der beiden Reformatoren machten und in der Kirche St. Mary fündig wurden. Eine Plakette für Paul Fagius war leider nicht auffindbar, vielleicht wurde sie im Zuge einer Renovierung entfernt.

Die einzige Biographie zu Paul Fagius schrieb Richard Raubenheimer: Paul Fagius aus Rheinzabern. In ihm sind die Fakten zum Leben des Reformators enthalten. Mit etwas Glück ist das 1957 erschienene Buch antiquarisch erhältlich. In Mannheim steht es in der Universitätsbibliothek zur Verfügung.

Cover In dem Roman „Die brennenden Lettern“ (Gmeiner-Verlag, August 2011) von Claudia Schmid wird der Heidelberger Quirin Melchior von der geheimnisvollen Ane auf Zeitreise von Heidelberg nach Isny geschickt. Er trifft Paul Fagius und begleitet ihn auf seinen spannenden Lebensstationen. Eine Reise durch ein faszinierendes Zeitalter, als ganz Europa im Umbruch war.

Für alle, die jetzt Lust bekommen haben, den spannenden Roman von Claudia Schmid zu lesen, hier der Link zu Amazon: Die brennenden Lettern

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