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  • das Entdeckerdenkmal in Belem
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TEIL 3: LISSABON - DIE SEEFAHRER

das Entdeckerdenkmal in Belem

Die Portugiesen, als Entdecker der Erdkugel

Wir können uns heute kaum vorstellen mit welch primitiven Mitteln, die Seeleute in den so „glorreichen“ Jahrhunderten der Entdeckungen vorlieb nehmen mussten. Von der ersten Weltumseglung kehrte nicht einmal ein Zentel der ursprünglichen Mannschaft wieder nach Europa zurück.

Die Leistung dieser waghalsigen Kerle können wir besser einschätzen, wenn wir uns vorstellen, dass sie nicht wussten, wo sie sich auf ihrer Fahrt gerade befanden. Bestimmen konnten sie nur die geographische Breite, also ihre Nord-Südposition. Ihren Längengrad-Ort kannten sie nicht, sie wussten daher nicht, wie weit sie schon in Ost- oder Westrichtung gesegelt waren; viele Schiffe zerschellten deshalb an unverhofft auftauchenden Klippen. Erst der englische Uhrmacher John Harrison schaffte die Lösung. Er konstruierte zwischen 1730 und 1735 eine schiffstaugliche Uhr mit einer damals einmaligen Genauigkeit. Dieses Uhrwerk wurde bei der Abfahrt mit Hilfe der Sonne auf die Zeit des Nullmeridians eingestellt, er orientierte sich dabei an dem Meridian, der genau durch die Sternwarte in Greenwich verläuft. Aus dem Zeitunterschied zwischen der angezeigten Zeit und der durch Peilung der Sonne bestimmten Ortszeit ließ sich die geographische Länge ausreichend genau bestimmen. Das war aber erst mehr als 200 Jahre später der Fall; James Cook profitierte dann als erster bei seinen Pazifikfahrten von der genialen Konstruktion des englischen Uhrmachers.

Die erste „Erfahrungs-Datenbank“ der Seefahrt

Der Vater des Erfolgs der portugiesischen Entdecker war zweifellos der Infante Dom Henrique, der von 1394 bis 1460 lebte – aus der Geschichte kennen wir ihn als Heinrich den Seefahrer. In seiner Residenz in Sagres, am südwestlichen Zipfel Portugals gelegen, versammelte er die besten Kartographen und Nautiker seiner Zeit. Er initiierte die Führung der „Roteiros“, das sind geheime Logbücher der Kapitäne, sie wurden in Sagres zentral gesammelt und bildeten so einen umfangreichen Erfahrungsschatz, auf den jeder portugiesische Schiffsführer zugreifen konnte, und der mit der Zeit den Portugiesen bei der Erkundung der Meere einen immensen Vorsprung verschaffte. In Sagres entstand soetwas wie eine Schule der Seefahrt, deren Entdeckerideologie viele Generationen europäischer Seefahrer formte, vor allem die portugiesischen, die als erste daraus Nutzen ziehen konnten: Vasco da Gama, er entdeckte den Seeweg nach Indien; Ferdinand Magellan, der sich als erster die Kugelform der Erde zu Nutze machte – er brach auf, um unseren Planeten zu umrunden. Und das war zweifellos die grandioseste Operation, in der an Sensationen so reichen Epoche der Entdeckungen.

Kloster Mosteiro dos Jeronismos in Belem

Ein beispielloses Unternehmen

Ferdinand Magellan, 1480 im Norden Portugals geboren, war einer jener begnadeten Menschen, die mit zäher Energie und kompromisslos bis zur Selbstaufgabe versuchten, ihre Ideen auch zu realisieren. Der portugiesische König unterstützte seine Pläne nicht, zu phantastisch erschienen sie ihm: Magellan wollte einen Durchgang vom Atlantik nach Westen, zu einem weiten, unbekannten Meer, finden. Für die Realisierung seines Planes war er zu allem bereit: Er ging zu dem jungen spanischen König Karl I., den später der Papst als Karl V. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches krönte, nicht ohne vorher die portugiesischen Archive zu durchforsten, in denen er Karten und Berichte über eine mögliche Route nach Westen fand, über den schon bekannten amerikanischen Kontinent hinaus. Magellan war so etwas wie einer der ersten „Industriespione“ der Geschichte.

Eineinhalb Jahre dauerten die Vorbereitungen, immer wieder von Neidern gestört – er war als Portugiese bei den spanischen Seeleuten nicht unbedingt willkommen - , doch am 20. September 1519 sticht die Expedition von Sanlucar in Spanien aus in See. Fünf Schiffe mit einer internationalen Besatzung von etwas mehr als 230 Seeleuten.

Am 6. September 1522 erreichte die „Victoria“ als einziges Schiff wieder den Ausgangshafen Sanlucar. Gerade noch 18 Mann der ursprünglichen Expeditionsmannschaft schafften die erste Umrundung unseres Globus’. Diese Fahrt ist eines der einschneidensten Ereignisse der Seefahrt gewesen: Erstmalig wurde die Kugelgestalt der Erde bewiesen, die Expedition entdeckte die Wasserstraße vom Atlantik zum Pazifik, die heute Magellanstraße genannt wird. Bei der Durchfahrt sahen sie auf der südlichen Seite zahlreiche Feuer der damaligen idianischen Bevölkerung, und sie tauften die Insel „tierra del fuego“ – Feuerland. Erstmals wurde der größte und tiefste Ozean der Erde von Europa aus überquert – den Namen „Pazifik“ gab ihm Magellan, weil er sich ihm, zumindest unmittelbar nach Kap Horn, als ein „friedliches“ Meer darbot, vom Lateinischen „pacificus“.

Das Schiffstagebuch schien fehlerhaft zu sein, es wies einen Tag zu wenig auf – ein Irrtum der Mannschaft? Es war das erste Mal, dass die gelehrte Welt der damaligen Zeit die Notwendigkeit einer Datumsgrenze erkannte.

In 2 Jahren, 11 Monaten und 2 Wochen legte die Besatzung um die 69,000 Kilometer zurück.

Die Schilderung dieser epochalen Fahrt verdanken wir Antonio Pigafetta, einem italienischen Entdeckungsreisenden und Schriftsteller, der die Expedition begleitete. Fernando Magellan, der leidenschaftliche und unermüdliche Initiator des Projektes, erlebte seinen Erfolg nicht mehr. Am 27. April 1521 wird er auf den Philippinen bei einer Auseinandersetzung mit dem Häuptling Lapulapu von der Insel Manta-an getötet. Lapulapu wird heute auf den Philippinen als ihr erster Nationalheld verehrt, die Insel heißt jetzt Mactan.

der Atlantik, vom Palacio da Pena in Sintra aus

Franz Haslinger
Lissabon, 05/2006
Copyright © franz.haslinger@yahoo.de

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