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TEIL 1: L I S S A B O N

Castello de Sao Jorge

„Lissabon ist die weiße Stadt am Meer, in der sich Traum und Sehnsucht treffen.“ (Antonio Tabucchi, italienischer Schriftsteller)

Das Herz von Lissabon

Es ist ein warmer, angenehmer Frühlingsabend. Die Tischreihen vor dem Cafe Suica auf dem Rossio-Platz sind alle besetzt. Der amtliche Name des Platzes ist Praca Don Pedro IV, aber die Lissaboner nennen ihn einfach ihren „Rossio“. Es sind Touristen aus aller Welt, aber auch viele Einheimische, die zufrieden ihren Kaffee trinken, vielleicht auch noch eine der famosen Süßigkeiten kosten, und vor allem die Stimmung dieses Ortes genießen.

Am Nordende des weitläufigen Platzes, er ist 201 Meter lang und 91 Meter breit, steht das Nationaltheater Dona Maria II. Vom südlichen Ende führen die zwei Fußgängerstraßen, die Rua Augusto und die Rua dos Correiros durch das Stadtviertel Baixa bis zum Platz Praca do Comercio am Tejo-Fluss.

Das Café Suica wurde bereits 1923 gegründet. Das Innere ist in dunkler Farbe gehalten, bei schönem Wetter sitzen jedoch die meisten Gäste auf der Terasse vor dem Café. Der Terassenbetrieb hat sich in den dreißiger Jahren entwickelt, als viele Menschen aus Deutschland fliehen mussten, nach Lissabon kamen und hier das Licht, die frische Luft suchten und sich entgegen der einheimischen Gepflogenheiten mit ihren Stühlen vor die Cafés ins Freie setzten. Heute sind die Straßen Lissabons voll von Tischen, die vor den Cafés stehen.

Ein Harmonikaspieler beginnt vor dem Lokal zu spielen. Man hört ihm gerne zu, passen doch die Melodien zu der gelösten Stimmung seiner Zuhörer, und das öffnet dann auch die Geldbörsen etwas freizüger, sodass auch der Musikant zufrieden sein kann.

Cafe Nicola auf dem Rossio
Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes gibt es ein weiteres Kaffeehaus, das Nicola. Auch hier stehen Tische auf dem breiten Gehsteig des Platzes vor dem Lokal. Das Innere ist wie ein typisches Lissaboner Café gestaltet. Auf der rechten Seite eine lange Theke mit einer Glasvitrine, gefüllt mit schmackhaften Süßspeisen. Auf der linken Seite an der Wand eine Reihe kleiner Tische für die Gäste, die da in Ruhe beim Kaffee ihre Zeitung lesen können. Im hinteren Teil des Lokals liegt ein großer Raum für die Mittagsgäste.

Die Terasse liegt vormittags auf der Sonnenseite des Platzes. Im Frühling, wenn die ersten warmen Tage kommen, sind das die gesuchtesten Plätze; man trinkt seinen „Bica“, das ist eine kleine Tasse Mokka, und läßt sich von der wohltuenden Frühlingssonne verwöhnen.

Praca Don Pedro IV, Rossio

Ein Aufzug führt von der Unter- in die Oberstadt

Elevator de Santa Justa
Nicht weit vom Rossio, in südlicher Richtung, liegt die Rua Santa Justa mit dem Elevator de Santa Justa, der den Spaziergänger bequem von der Baixa hinauf nach Chiado und Bairro Alto bringt. Von der Ebene der Oberstadt führen Stufen noch höher hinauf, zur Aussichtsplattform und einem Café. 45 Meter hoch ist der Stahlturm, und den Rundblick von oben muss jeder Besucher mindestens einmal erleben. Raoul Mesnier de Pousard, ein Schüler Gustav Eiffels, erbaute 1902 den Turm, der heute zu den Wahrzeichen der Stadt zählt.

Straßenbahnlinie 28

Mit der Straßenbahn durch Lissabon

Um einen Überblick über die Stadt zu gewinnen, fährt man am besten mit der Straßenbahn, und zwar mit der Linie 28. Fahrt mit der Linie 28 durch LissabonAbfahrt ist vom Largo Martim Moniz, nicht weit vom Rossio entfernt, Endstation ist beim Cemiterio dos Prazeres. Es ist eine Fahrt durch enge und engste Gassen, steil bergauf und bergab, ein richtiges Lissabon Erlebnis. Bei der Station Largo do Chiado sollte man für einen Zwischenhalt aussteigen. Dort beginnt die Rua Garrett, und gleich am Anfang ist das Café
„ A Brasileira“. mit der Linie 28 Das Lokal ist zu einer Lissaboner Institution geworden, und jeder Besucher sollte auch hier entweder im Freien oder im gemütlich eingerichteten Innern einen Bica getrunken haben.

Vielleicht verwundert es etwas, daß ich immer wieder auf das Kaffeehaus zurückkomme. Aber was für die Dubliner das Pub, ist das Kaffeehaus für die Lissaboner; das Café nimmt in ihrem Alltag einen wichtigen Platz ein. Sie lesen dort ihre Zeitung, treffen sich mit Freunden; es ist der wichtigste Ort zum Austauschen von Neuigkeiten, zum Diskutieren, zum Sichkennenlernen.

im Lokal Aldega do Ribatejo

Im Fado schwingt die Seele der Portugiesen

Es gibt noch einen Ort, wo sich die Lissaboner gerne treffen – um sich zu unterhalten, um gut zu essen und um „ihre“ Musik, den Fado, zu hören, und wenn die Stimmung steigt, auch selbst zu singen.
die Küche mit den Sägerinnen

Das Restaurant „Adega do Ribatejo“ liegt im Altstadtviertel Bairro-Alto in der Rua de Diario de Noticias. Es ist ein kleines Lokal mit einer offenen Küche, sodass die Gäste beim Kochen zuschauen können. Es gibt gute Weine und viele Arten von Fischgerichten. Es ist ein Betrieb, in dem jeder, der hier mitarbeitet, alles machen muss: Bestellungen aufnehmen, kochen, sevieren und – auch singen.

Um etwa 20 Uhr beginnt die Musik.

die Köchin singt Fado

Zu Beginn tritt ein Sänger auf, begleitet von zwei Gitarrespielern. Es will jedoch keine richtige Stimmung aufkommen. Nun treten nacheinander zwei Sängerinnen auf, sie haben kurz vorher noch Speisen und Getränke serviert, die Stimmung hebt sich, in der Küche wird mitgesungen, sogar einige Gruppen einheimischer Gästen stimmen ein. Und man spürt: Da wird eine Touristenveranstaltung mehr und mehr zu einer originalen Fado-Fete, wie man sie auch in Lissabon nicht überall findet. Fado ist eine etwas schwermütige Musik, für den Nicht-Portugiesen klingt sie fremdartig, aber sie ist doch Ausdruck der portugiesischen Seele.

Möglicherweise muss man zuerst die Schriften Fernando Pessoas lesen, um den Fado schätzen zu können.

Marinemuseum in Belem

Ein Museum als Gedenkstätte der Entdecker

Im Westflügel des Klostergebäudes liegt das Marinemuseum, in dem den portugiesischen Entdeckern ein eigener Saal „Die Entdeckungen“ gewidmet ist. Ein Denkmal für die vielen Seeleute, die mit, für heutige Verhältnisse, primitivsten Mitteln aufbrachen, den Erdball erforschten, und viele Länder für die portugiesische Krone eroberten. Die Geschichtsforschung berichtet fast nur von den Triumphen, von den Entdeckungen und Eroberungen, fast nie von den Niederlagen, von den Leiden der Seeleute, von den vielen, die in See stachen und nie mehr wiederkehrten. Welch eine Aufbruchsstimmung, welch ein Wille muß diese Menschen beseelt haben, daß sie sich auf das Meer hinauswagten, mit Zielen, die sie nicht kannten und ohne zu wissen, ob sie je zurückkehren werden. Warum fuhren diese Menschen auf das ihnen unbekannte Meer hinaus? Es war wohl ein innerer Antrieb, wie ihn nur junge, unbekümmerte Völker haben, der sie wider jeglicher Vernunft aufbrechen ließ. Ihr missionarischer Eifer, das Christentum über den gesamten Erdball zu verbreiten, war einerseits Antrieb aufzubrechen und andererseits Rechtfertigung einer brutalen Kolonisation. Die Begeisterung und ihr Fanatismus halfen ihnen auch die härtesten Rückschläge zu überwinden. Für die meisten von uns modernen Zivilisationsmenschen ist das alles jenseits der logisch-pragmatischen Vorstellungswelt, daher sind wir zu vergleichbaren Taten auch nicht mehr bereit. Und doch gibt es auch in unserer Zeit noch immer Abenteurer und Entdecker, denken wir nur an die Weltraumfahrer. Und ein wenig schlummert in uns allen – ein bisschen zumindest, ein Abenteurer.

Im Saal der Entdecker kann man die Modelle der portugiesischen Schiffe,von den Anfängen bis zum perfekten Segler verfolgen. Ein breiter Raum ist der Verbesserung der Navigation gewidmet – von der primitiven Küstenschiffahrt mit dem Kompaß bis zur astronomischen Navigation nach dem Polarstern und der Sonne mit Hilfe des nautischen Astrolabiums. Astrolabien sind nautische Winkelmeßgeräte zur Bestimmung der Kulminationshöhe bekannter Gestirne, wie dem Polarstern oder der Sonne. Es wurde mit dem Astrolabium die Höhe des Fixsterns über dem Horizont gemessen, daraus konnte dann die geographische Breite des Schiffstandortes errechnet werden.

Die portugiesischen Kapitäne waren verpflichtet, alle auf ihren Reisen gesammelten Erfahrungen auf dem Gebiet der Navigation in geheimen Logbüchern, den Roteiros, festzuhalten. Es war zweifellos auch die Weitergabe und systematische Auswertung dieser Erfahrungen, die eine so rasante Entwicklung der Seefahrt überhaupt erst ermöglichte.
Entdeckerdenkmal in Belem
Am Ufer des Tejo, gegenüber dem Hauptportal des Mosteiro dos Jeronimos, durch einen Fußgängertunnel unter der Autostraße erreichbar, ragt das Entdeckerdenkmal auf. Es wurde 1960 zur Erinnerung an den fünfhundertsten Todestag Heinrich des Seefahrers errichtet, des bedeutendsten Impulsgebers für die portugiesischen Entdeckungsfahrten. Sein Standbild steht ganz vorne auf dem Bug einer Caravelle an der Spitze der portugiesischen Entdecker, den Blick weit hinaus aufs Meer gerichtet .

Von der Aussichtsplattform des Ehrenmals hat man einen weite Sicht über Lissabon mit der Flußmündung des Tejo, und auf der wasserabgewendeten Seite kann man von hoch oben die marmorne Weltkarte auf dem Platz direkt vor dem Denkmal als Ganzes überblicken.

Sintra, malerisches Palacio da Pena

Alle Baustile eines Weltreiches in einem Schloss

Zu einem Lissabonaufenthalt gehört auch ein Besuch von Sintra. Einen Garten Eden nannte Lord Byron das Städtchen.

Knapp 30 km nordwestlich von Lissabon gelegen, ist Sintra mit der Bahn vom Bahnhof Lisboa-Rossio aus in etwa 1 Stunde leicht erreichbar. Von der Endstation in Sintra fährt ein Bus zum Palacio da Pena hinauf. Das Schloss liegt auf einem Hügel, und von den Terassen und Türmen des Schlosses hat man einen grandiosen Ausblick auf Sintra und die Mündung des Tejos in den Atlantik. Prinzgemahl Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha ließ es vom deutschen Baumeister Baron von Eschwege mit der Auflage erbauen, es müssen alle Baustile vorkommen, die im portugiesischen Weltreich anzutreffen sind. Das Ergebnis ist ein eigenwilliges, protziges Bauwerk, das wie ein Symbol für den Niedergang des portugiesischen Weltreiches wirkt; der Abstieg begann schon Ende des 16. Jahrhunderts, als Portugal fast 60 Jahre lang unter spanische Herrschaft kam.

Mit dem Bus kommt man wieder zurück nach Sintra. Im Zentrum ist eine Unterbrechung der Fahrt angesagt: beim Palacio Nacional de Sintra, vom 14. bis ins 20. Jahrhundert war er Sommersitz der portugiesischen Könige. Begonnen wurde der Bau bereits im 14. Jahrhundert. Er wurde vielfach ergänzt und umgebaut. Die zwei riesigen Küchenschornsteine kamen erst im 18. Jahrhundert dazu.

Gleich gegenüber am Schloßplatz liegt das Café de Paris. Auf der Terasse unter schattigen Bäumen, bei einem Kaffee und leckeren Süßspeisen läßt man dann all die Eindrücke Revue passieren – Sintra ist immer eine Reise wert

Sintra,  Palacio da Pena

Franz Haslinger
Lissabon, 05/2006
Copyright © franz.haslinger@yahoo.de

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